Die Stadtwerke Weißwasser GmbH (SWW) haben am gestrigen Abend, dem 15. September 2026, ihre zweite Bürgerinformationsveranstaltung zur „Wärmewende Lausitz“ erfolgreich durchgeführt. Rund 25 interessierte Bürgerinnen und Bürger informierten sich über die konkreten Fortschritte und die Zukunft der Wärmeversorgung in Weißwasser. Auch Oberbürgermeisterin Katja Dietrich nahm persönlich an der Veranstaltung teil unterstrich damit das hohe politische Gewicht, das die Stadt Weißwasser diesem Zukunftsprojekt beimisst.
Denn das Thema Wärme ist für sie keine abstrakte Zukunftsfrage – es ist eine persönliche Herzensangelegenheit, die sie seit dem ersten Tag ihrer Amtszeit begleitet:
Katja Dietrich, Oberbürgermeisterin Stadt Weißwasser: „Das Thema Wärme beschäftigt uns seit zwei Jahren intensiv. Bereits in den ersten Wochen meiner Amtszeit erreichte uns die Kündigung der LEAG. Seitdem arbeiten wir daran, die verschiedenen Entwicklungen und Zeitpläne – auf Bundesebene ebenso wie im regionalen Strukturwandel – miteinander in Einklang zu bringen. Mein großer Dank gilt den Stadtwerken Weißwasser, die diesen Weg gemeinsam mit Hoyerswerda, Spremberg und der Stadt engagiert vorantreiben.“
Den Vortrag hielten Katrin Bartsch, Geschäftsführerin der Stadtwerke Weißwasser, und Ronny Kirbach von der Tilia GmbH. Tilia hat im Auftrag der Stadt die kommunale Wärmeplanung für Weißwasser erstellt und unterstützt als stellvertretender Projektleiter das Konsortium aus Stadtwerken Weißwasser, Versorgungsbetrieben Hoyerswerda und Städtischen Werken Spremberg. Im Anschluss an die Präsentation konnten die Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen – alle wurden umfassend beantwortet.
Hintergrund: Warum die Wärmewende in Weißwasser so dringend ist
Weißwasser ist eine Stadt im Wandel. Jahrzehntelang prägten Braunkohle und Glasindustrie die Region – und mit ihnen eine Wärmeversorgung, die auf günstiger Industriewärme basierte. Doch diese Ära neigt sich dem Ende: Der Liefervertrag mit der LEAG läuft zum 30. April 2028 aus. Bis dahin liefert die LEAG Wärme nach „Können und Vermögen“ – eine Formulierung, die die Unsicherheit dieser Übergangsphase treffend beschreibt. Für die rund 6.100 Fernwärmekunden in Weißwasser, die über ein 34 km langes Netz versorgt werden, ist eine verlässliche Anschlusslösung daher keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Das oberste Ziel der Stadtwerke Weißwasser ist dabei klar: eine gesicherte und dauerhaft bezahlbare Wärmeversorgung für die Menschen in Weißwasser – heute, morgen und auch 2045.
Gleichzeitig geben die gesetzlichen Rahmenbedingungen den Takt vor. Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) und das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) definieren verbindliche Ausbauziele für erneuerbare Wärme in Fernwärmenetzen:
- Mindestens 30 % erneuerbare Energien bis 2030 (WPG)
- Mindestens 80 % bis 2040 (WPG)
- Vollständige Dekarbonisierung bis 2045 (WPG)
Die Stadtwerke Weißwasser nehmen diese Verpflichtung nicht als Bürde, sondern als Chance: die Wärmeversorgung der Stadt langfristig unabhängiger, nachhaltiger und wirtschaftlich stabiler zu gestalten.
Drei Stadtwerke – ein Ziel: Klimaneutralität bis 2045
Das Projekt „Wärmewende Lausitz“ verfolgt das Ziel, die Wärmeversorgung von rund 60.000 Menschen in Hoyerswerda, Spremberg und Weißwasser auf erneuerbare Energien umzustellen. Die drei Stadtwerke haben sich daher in einem Konsortium zusammengeschlossen. Grundlage der Planung ist eine umfassende wissenschaftliche Transformationsstudie, die maßgeblich unter der Leitung der Fraunhofer-Instituts für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) sowie unter Mitwirkung der Tilia GmbH und der IREES GmbH erstellt wurde.
Technische Lösung: Eigenversorgung mit Wärmepumpen und Biomasse als Vorzugsvariante
Die Vorplanung durch das Planungsbüro Fichtner bestätigt die grundsätzliche technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit einer treibhausgasarmen Fernwärmeversorgung bis 2045. Im Rahmen einer multikriteriellen Analyse wurde für Weißwasser die Variante „Eigenversorgung mit Wärmepumpen und Biomassekessel“ als Vorzugsvariante identifiziert. Diese Variante kombiniert Wärmepumpen, Biomasse, Speicher und Reservekessel zu einem diversifizierten, modular erweiterbaren und langfristig resilienten Versorgungssystem und erzielt die höchste Gesamtbewertung hinsichtlich Resilienz, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit.
Wärmepumpen werden dabei unabhängig von der Variantenauswahl als die tragende Technologie des zukünftigen Versorgungssystems eingestuft. Die Ergänzung durch einen Biomassekessel erhöht die Robustheit des Gesamtsystems und ermöglicht insbesondere in den Wintermonaten eine sinnvolle Diversifizierung der Wärmeerzeugung.
Die Gesamtinvestitionen für die Erzeugungsanlagen in Weißwasser belaufen sich nach aktuellen Abschätzungen auf rund 34 Mio. Euro über den gesamten Betrachtungszeitraum bis 2045.
Brückenlösung sichert die Versorgung heute
Am Standort Heizwerk Süd wurden bereits umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen durch die Stadtwerke Weißwasser durchgeführt: das Bestandsheizhaus aus den 1970er Jahren wurde umfassend saniert und ein neues Heizhaus, das Anfang 2026 in Betrieb genommen wurde errichtet. Damit steht eine nutzbare Gesamtheizleistung von knapp 20 MWth zur Verfügung, die die Versorgung der Fernwärmekunden in Weißwasser zuverlässig sicherstellt.
Kommunale Wärmeplanung und Netzausbau: Transparenz und Bürgerbeteiligung
Die kommunale Wärmeplanung für Weißwasser wurde von der Tilia GmbH in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung und den Stadtwerken Weißwasser erarbeitet. Der Projektzeitraum erstreckte sich von Juni 2025 bis Juni 2026. Die Wärmeplanung ist dabei nicht als starres Konzept zu verstehen, sondern als kontinuierlicher Prozess, der regelmäßig überprüft und an neue Entwicklungen und veränderte Rahmenbedingungen angepasst wird.
Ein wichtiger Baustein ist der weitere Ausbau des Fernwärmenetzes. In die Betrachtungen sind unter anderem die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung eingeflossen. Darüber hinaus wurden im Zuge der Vorplanung eigene Untersuchungen durchgeführt, um potenzielle Ausbaugebiete hinsichtlich ihrer technischen Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit zu bewerten. Auf dieser Grundlage wurden sechs Erschließungsgebiete in Weißwasser priorisiert: Puschkinstraße/Bautzener Straße, Lutherstraße/Schillerstraße, Straße des Friedens, Karl-Liebknecht-Straße im Bereich des Kreiskrankenhauses, Karl-Marx-Straße sowie An der Hopfenblüte. Diese Gebiete werden in der nächsten Planungsphase detaillierter untersucht und hinsichtlich einer möglichen Umsetzung weiter konkretisiert.
Für den derzeit betrachteten Netzausbau werden rund drei Kilometer zusätzliche Trassenlänge sowie eine kalkulatorische Anschlussquote von 60 Prozent zugrunde gelegt. Ziel ist eine mögliche Umsetzung bis 2030. Ab dem vierten Quartal 2026 ist zudem vorgesehen, potenzielle Kundinnen und Kunden in den betreffenden Gebieten gezielt anzusprechen.

Abbildung 1: Karte der priorisierten Netzausbaugebiete mit Prioritäten (1-4)
Die erste Bürgerinformationsveranstaltung zur Wärmetransformation fand bereits im April 2025 in Weißwasser statt und stieß auf positive Resonanz. Die diesjährige Veranstaltung ist ein weiterer Baustein der aktiven Kommunikationsstrategie der Stadtwerke Weißwasser. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres wird es eine dritte Veranstaltung in ähnlicher Form geben.
Ausblick
Die Planungen schreiten zügig voran: Die Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie die Erstellung einer funktionalen Leistungsbeschreibung sind der nächste gemeinsame Schritt der drei Stadtwerke. Ziel ist es, eine umsetzbare, ökologische, sozialverträgliche und wirtschaftliche Wärmeversorgung für die Region zu gewährleisten und dabei die Nutzung erneuerbarer Energiequellen sukzessive zu erhöhen.